„BaseL“ in WDR 5 Leonardo: Berufsorientierung in der Schule

Die Städtische Gesamtschule Nettetal, als Initiatoren des Vereins baseL, weiß um ihre Verdienste im Bereich der Berufsorientierung, die durch das in 2016 veliehene Prädikat „Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“ bundesweit Anerkennung fand. Dass nun auch die Landesregierung NRW in ihrem Fahrwasser fährt, das motiviert sie natürlich noch mehr, weiterhin innovativ zu arbeiten!

WDR5 Leonardo vom 21.09.2016

In „WDR 5 Leonardo“ wurde in der vergangenen Woche, am 21.09.2016, in einem gut elf-minütigen Beitrag die „Berufsorientierung in der Schule“ thematisiert: „Die Suche nach dem „richtigen“ Beruf ist oft schwierig – nicht nur für Schüler, auch Lehrer und Eltern kämpfen mit. Wie kann gute Berufsorientierung gelingen?“, fragt die Autorin der Sendung, Andrea Lueg, freie Journalistin aus Köln.

Nachdem sie festgestellt hat, dass  – laut Allensbacher Institut – über die Hälfte der SchülerInnen  (beispielsweise an einem Kölner Gymnasium)  mit den Berufsinformationen unzufrieden sei und auch die Eltern, die als „Chefberater“ von ihren Kindern eigentlich gewünscht, aber nicht hilfreich seien, dass das Angebot  – so Till Brüggemann, Professor an der staatlich anerkannten, privaten Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) in Bielefeld – von 300 bis 900 Maßnahmen in einer Region ein „Überangebot“ sei, das niemandem weiterhelfe,  also  Angebote im „Maßnahmendschungel“ seien,  dass Gymnasien erst dabei seien, sich mit Berufsorientierung zu beschäftigen, kommt Lueg etwa in der Mitte der vierten Minute (4:20) auf die Städitsche Gesamtschule Nettetal, ihren ehemaligen Schulleiter Roland Schiefelbein sowie der von ihm als Hauptverantwortlichen ins Leben gerufenen sogenannte BerufseistiegsbegleiterInnen zu sprechen:

Netzwerkkonzept baseL

„An der Gesamtschule Nettetal hat man dafür ein erfolgreiches Netzwerkkonzept entwickelt. Auch an dieser städtischen Schule mit 950 Schülern gab es seit Jahren die Erfahrung, dass Jugendliche schwer für ihre berufliche Zukunft zu interessieren sind.
Der ehemalige Schulleiter rief deshalb einen Verein aus Eltern, Unternehmen der Region und Lehrern ins Leben. Mit Spenden aus der Wirtschaft wurde ein extra Anbau errichtet, ein fester Raum für die Berufsorientierung. Und der Verein, baseL, finanziert vier Couches, Berufseinstiegsbegleiter, die jeden einzelnen Schüler von der ersten Orientierung bis nach der Probezeit in der Ausbildung begleiten.“

Von den derzeitigen vier  Berufseinstiegsbegleitern, Hubert Baltes, Sabina Dannenmann, Cäcilia Lütz und Gerd Philipp, die sich am Ende des 8. Jahrgangs in den Klassen persönlich vorstellen, kommt Dannenmann persönlich zu Wort. Sie erklärt, dass alle SchülerInnen im 9. Jahrgang verpflichtet seien, aus dem Unterricht heraus in Einzelgespräche zu kommen. In engem Austausch mit den Klassenlehrern (wer werde tendentiell in die Oberstufe, wer tendentiell abgehen, wie sei die Prognose?) lüden sie auch Eltern ggf. zu den Gesprächen ein und versuchten,  die Kontakte schnellstmöglich mit der lokalen Wirtschaft zu verknüpfen.

Potentialanalyse

Für Fälle, in denen der Schüler oder die Schülerin überhaupt nicht wisse, wohin der berufliche Weg gehe, gebe es die sogenannte Potentialanalyse: „Wir haben natürlich auch Fälle, die überhaupt nicht wissen, was sie machen wollen“, so Dannenmann, „dann fängt man wirklich bei Adam und Eva an und fängt vielleicht wirklich nur bei den Hobbies an, bei der Freizeitgestaltung, bei Lieblingsfächern. Ich lade auch schon einmal befreundete Schülerinnen und Schüler ein! „Bring einfach mal deinen besten Feund mit und lass den über dich erzählen!“ (…)“

Autorin Andrea Lueg erklärt weiter: „Sabina Dannemann fragt nicht als erstes nach Berufsvorstellungen,  auch nicht nach Schulnoten. Erstmal, sagt sie, will die die Persönlichkeit kennenlernen.“
René aus dem letzten 10. Jahrgang berichtet, wie er auf seinem Weg von „überhaupt keiner Idee“ über die Berufsorientierung an der Städtischen Gesamtschule Nettetal (mit vielen Praktika in den Ferien) in den Bereich KFZ und dann zu NFZ (Nutzfahrzeugmechatroniker) gelangt sei.

Kontakte in Praktika

„Für die Untenehmen hat es einen hohen Stellenwert“, so Berufseinstiegsbegleiterin Dannenmann, „freiwillig in ein Praktikum zu kommen!“ Dies bestätigt auch Tim Brüggemann: „Auf der einen Seite kann man eben unterfüttern, mit Realerfahrung (…), auf der anderen Seite ist es sowohl für Betriebe als auch für Jugendliche natürlich gut, sich schon einmal niederschwellig begegnet zu sein und nicht die ganze Zeit auf dieser imaginären Schwelle – Übergang Schule/ Beruf –  hinzuarbeiten, und dann kommt der Praxisschock!“

WDR 5 Leonardo konstatiert, dass die Gesmamtschule Nettetal für ihre Aktivitäten in der Berufsorientierung nicht nur als „Starke Schule“ ausgezeichnet worden sei, sondern es fänden auch alle Schüler eine Ausbildung und keiner bräche sie dann später ab! Abgeschlossene Ausbildungsverträge landeten in einer „Hall of Fame“ mit den besten Glückwünschen!

Bezug zur Landesregierung

„So ein intensives und individuelles Coaching kann sicher nicht jede Schule organisieren“, stellt Andrea Lueg in WDR 5 Leonardo „Berufsorientierung in der Schule“ fest. „Aber, dass keine Schüler mehr die Schule verlässt, ohne eine berufliche Perspektive, das ist auch das Ziel des Programmes KAoA, das die Landesregierung auf den Weg gebracht hat. KAoA, das steht für: „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Dazu gehöre zum Beispiel in der 8. Klasse eine Potentialanalyse. Brüggemann stellt fest, dass das Projekt nur dann seine Effekte voll entfalten könne, wenn es mit allen Akteuren, also den Eltern, den Lehrkräften, mit der Berufsberatung und mit den Schülern im Mittelpunkt, verzahnt sei und wenn die Inhalte verzahnt seien, die Schule also beispielsweise die Potentialanaloyse vorbereite, und sie im Nachgang – mit den Ergebnissen aus der Potentialanalyse – nachbereite.

Also ganz und gar im Fahrwasser von baseL in Nettetal!

Julietta M. Breuer