Nachwuchssuche leicht gemacht

Beratungsgespräch

BERUF: Die Gesamtschule Nettetal hat ein eigenes Konzept für Berufsorientierung. Handwerkbetriebe können davon profitieren.
von LARS OTTEN

Wir haben schon immer Wert darauf gelegt, dass die Schüler nach ihrem Abschluss einen guten Anschluss bekommen.“ Roland Schiefelbein will Jugendlichen auch nach seiner Zeit als Direktor der Gesamtschule Nettetal einen schnellen und erfolgreichen Einstieg in die Berufswelt ermöglichen. Dazu arbeitet er jetzt als Koordinator eines gemeinnützigen Vereins („baseL nettetal“) weiterhin mit der Schule zusammen. Der Verein kümmert sich darum, Jugendlichen durch zusätzliche Berufsorientierungsmaßnahmen möglichst früh eine Vorstellung davon zu geben, wie es nach ihrer Schullaufbahn weitergehen kann. „Jede Schülerin und jeder Schüler soll frühzeitig ein Berufsbild vor Augen haben und dieses auch nach dem Schulabschluss verwirklichen können”, lautet das Motto des Vereins. Wichtig dafür ist die direkte Zusammenarbeit mit örtlichen und regionalen Unternehmen – dazu gehören auch einige Handwerksbetriebe.

Zusammen mit dem Verein hat die Gesamtschule Nettetal in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass 95 Prozent der Schüler, die nach der Klasse 10 die Schule verließen, einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hatten oder mit einem konkreten Berufsziel vor Augen ein Berufskolleg besuchten. Angefangen hat alles im Jahr 2007: Die Schule plante den Bau eines zusätzlichen Raums für die Berufsorientierung. Das Problem: die Kosten. Das war die Geburtsstunde des Fördervereins – er wurde ursprünglich gegründet, um das notwendige Geld zu sammeln. In Zusammenarbeit mit der örtlichen Handwerkerschaft (leistete die Arbeit unentgeltlich, sodass nur Kosten für das Material entstanden) gelang das auch. Im Gegenzug hatten die Handwerker die Möglichkeit, sich dort zu präsentieren, um den Schülern einen Einblick in ihre Berufswelt zu verschaffen, aber auch um nach geeignetem Nachwuchs für den eigenen Betrieb Ausschau zu halten.
Über die Jahre haben Schule und Verein ihr Engagement immer mehr erweitert. Mit dem aktuellen Konzept konnten sie den Wettbewerb „Starke Schule” (für Schulen, die ihre Schüler zur Ausbildungsreife führen) auf Landesebene gewinnen, auf Bundesebene reichte es für den dritten Platz. Die Berufsorientierung beginnt in der achten Jahrgangsstufe mit einem Infoabend für die Eltern und mit einer Projektwoche (mit Berufserprobungsparcours, Betriebserkundung) und einem Kompetenzcheck (Potenzialanalyse) für die Schüler. Im folgenden Jahr stehen mehrere berufskundliche Nachmittage zu verschiedenen Themen, ein Betriebspraktikum (drei Wochen) und Bewerbungstraining auf dem Programm. Außerdem starten die Berufseinstiegsbegleiter (insgesamt vier, vom Verein finanziert) mit der individuellen Beratung der Jugendlichen. In der zehnten Jahrgangsstufe besuchen die Klassen ein Berufskolleg. Gleichzeitig läuft die Einzelberatung weiter.
Die Berufseinstiegsbegleiter haben den Draht zu den Unternehmen. Sie versuchen, möglichst viele Betriebe mit ins Boot zu holen und die Jugendlichen passgenau zu vermitteln. Dabei sollen sich Schüler und Betrieb kennenlernen. So entstehe eine Win-win-Situation, betont Angelika Eller-Hofmann, Direktorin der Gesamtschule Nettetal. Im Idealfall endete dieses Kennenlernen mit der Unterschrift unter einen. Ausbildungsvertrag – lange vor Schulabschluss. Berater Gerd Philipp wünscht sich noch mehr Engagement von den örtlichen Unternehmen. „Die Betriebe können sich hier die Äpfel von den Bäumen pflücken, sie müssen sich aber auch bewegen”, sagt er. Das sei allerdings noch nicht in allen Köpfen angekommen. Dabei könnten die Unternehmen nicht einfacher an geeigneten Fachkräftenachwuchs kommen.
So sieht das auch Olaf Tophoven. Der Inhaber eines Sanitär- und Heizungsbetriebs in Nettetal hat über die Zusammenarbeit mit der Schule einen Auszubildenden gefunden, der nun schon im zweiten Lehrjahr ist. „Ich finde gut, dass die Berufseinstiegsberater mögliche Kandidaten für uns vorauswählen. Das spart für uns enorm viel Arbeit.” Denn: Es werde immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden. Durch die Kooperation entfällt der Aufwand für den Entwurf von Stellenanzeigen, er muss weniger Bewerbungsunterlagen sichten, weniger Bewerbungsgespräche führen. »Das ist eine gute Aktion für alle Beteiligten. Ich unterstütze das, wo ich kann.“ Jetzt sucht er für das nächste Ausbildungsjahr wieder einen Azubi. Und er will ihn wieder an der Gesamtschule finden.

otten@handwerksblatt.de


Beratungsgespräch

Gerd Philipp spricht mit der 15-jährigen Schülerin Mia über ihre Berufswünsche
Foto: Ingo Lammert




BASEL NETTETAL
Das Einzugsgebiet des Vereins „basel nettetal” beschränkt sich hauptsachlich auf die Stadt Nettetal mit seinen 42.000 Einwohnern. Bei Bedarf versuchen die Berufseinstiegsberater aber auch, Schüler mit regionalen Unternehmen in Kontakt zu bringen. Betriebe, die sich für eine Zusammenarbeit mit dem Verein interessieren, können sich an Koordinatorin Astrid Braun-Schmitz wenden, Tel,: 02153/1396867, E-Mail: info@base-l.de.

Quelle: Deutsches Handwerksblatt Nr.11, Donnerstag, 11. Juni 2015, Seite NW2