BaseL schafft Räume

Nettetal. Der Verein BaseL Nettetal an der städtischen Gesamtschule Nettetal hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Übergang von der Schule in den Beruf zu einer sicheren Perspektive für Schüler und Ausbildungsträger zu entwickeln. Fachkräftemangel ist in vielen Branchen ein ernst zu nehmendes Problem, dennoch fallen auf sieben Ausbildungsplätze zehn Bewerber. Von der Redaktion

Die Motivation, sich eigenständig und zielsicher einen Beruf zu suchen, halte sich bei Schulabgängern aber wohl in Grenzen, so der ehemalige Schuldirektor der Gesamtschule Nettetal und Vorsitzender des Vereins BaseL, Roland Schiefelbein. Obwohl ein breit gespanntes Netz an Informationen für Schulabgänger existiere, brechen 26,9 Prozent aller Auszubildenden im Kreis Viersen eine Ausbildung ab.

Aber wie kann konkret der Abbruch einer Ausbildung vorgebeugt werden? Wie finden Unternehmen im Kreis Viersen Fachkräfte, die genau zu ihrem Unternehmen passen? Dass seit Jahren, bei 170 unterschiedlichen Ausbildungsberufen auf dem Arbeitsmarkt, die Schulabgänger, sowohl bei den Frauen mit 42,4 Prozent als auch bei den Männern mit 57,5 Prozent immer dieselben zehn Berufe als Berufswunsch nennen, ist ein wesentlicher Grund, warum die Agenturen für Arbeit längst Programme und Konzepte anwenden, die die zukünftigen Auszubildenden in den Schulen beraten sollen.

Schüler sollten früh erkennen, welche Arbeitgeber am Markt tatsächlich Auszubildende suchen. Die Überschrift aus der Tagespresse („Neuer Tiefstand bei den Lehrstellen – Die Regionaldirektion fordert größere Anstrengungen der Unternehmen“) nimmt der Pressesprecher des BaseL Nettetal, Ralf Stobbe, selbst Geschäftsführer einer Papierfabrik in Nettetal, zum Anlass, sich bei der Agentur für Arbeit zu bedanken, da Regionaldirektion und Agentur für Arbeit in Krefeld eben nicht nur forderten, sondern auch, wie jüngst geschehen, seinen Verein BaseL für zwei weitere Jahre förderten.

Birgitta Kubsch-von Harten, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit in Krefeld, lobt den Verein als idealtypisches Beispiel für vertiefte Berufsorientierung, da es dem Verein in seinen Vereinsräumen an der Gesamtschule Nettetal gelungen sei, Unternehmer, Eltern und Schüler in einen zielorientierten Dialog unter ein Dach zu bringen.

Dr. Edgar Lapp, Leiter Berufsberatung/ Koordinator Übergang Schule und Beruf, geht sogar noch einen Schritt weiter. Er bezeichnet die Arbeit des Vereins als „Tüpfelchen auf dem i“, und als etwas „ganz Besonderes“, da die Vereinsarbeit die standardisierten Verfahren der Arbeitsagenturen noch zusätzlich flankiert. „Kein-Abschluss-ohne-Anschluss“, kurz KAOA, ist ein standardisiertes Programm, das jeder Schüler, „ob in Bielefeld, Paderborn oder in Nettetal“, so Dr. Lapp, von der achten bis gegebenenfalls zur 13. Klasse über Potentialanalysen, Berufsfelderkundungen und Berufsorientierungspraktika landesweit durch die Agenturen für Arbeit erhält.

„BaseL setzt auf das Standardprogramm noch etwas drauf“, sagt Dr. Lapp. Wenn die Berufsorientierung noch nicht in der Schule gegriffen habe, zeigten die Beobachtungen der Agentur für Arbeit, fielen die Chancen, dass Schülern ein erfolgreicher Einstieg in den Beruf gelänge, rapide ab, so Kubsch-von Harten. Nicht allein die Schulnoten seien, laut Gerald Laumans, zweiter Geschäftsführer des Vereins, entscheidend bei der Auswahl der Bewerber für einen Ausbildungsplatz.

Zu einer erfolgreichen Integration in ein Unternehmen seien 50 Prozent praktische und kognitive Fertigkeiten von Nöten, die restlichen 50 Prozent, die zum Schlüssel des Erfolges führten, sei in der Persönlichkeit des Schülers zu finden. Diese müssten zum Unternehmen passen, weiß der Unternehmer Hubert Baltes, Berufseinstiegsbegleiter des Vereins, aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung, zu berichten. In der Vereinsarbeit haben die Unternehmer zunächst lernen müssen, wie man die Sprache der Schüler spreche, um verstanden zu werden, um gezielt auf die Bedürfnisse der Auszubildenden und Praktikanten eingehen zu können.

Es sei essenziell wichtig, die Angebote des Vereins in eine offene und ehrliche Begegnung zwischen Schülern und Unternehmen münden zu lassen, die keine Enttäuschungen zwischen den beiden Parteien nach Vertragsabschluss zu einer Ausbildung zuließe. „Wenn auf beiden Seiten Planungssicherheit besteht, geht weder beim Schüler noch beim Unternehmen wertvolle Zeit verloren“, sagt Roland Christmann, für die Unternehmerakquise des Vereins zuständig.

Schiefelbein und seine Vereinskollegen wollen den Schülern die Perspektivlosigkeit nehmen und Lust auf Ausbildung erzeugen. Ein wesentliches Modul in der Vereinsphilosophie sind Berufsbotschafter, die ihren Schulabschluss in der Gesamtschule Nettetal erlangt haben und anschließend einen Beruf fanden, der sie begeistert. Sie kommen nach erfolgreicher Ausbildung oder Weiterbildung am Berufskolleg an ihre ehemalige Schule zurück und berichten über ihren erfolgreichen Weg. „Das ist besser, wenn fast Gleichaltrige ihre Erfahrungen auf Augenhöhe erzählen, als wenn wir das tun“, erklärt der ehemalige Schuldirektor.

111 Schüler werden derzeit in der Berufsbegleitung erfasst. Von anfangs 39 Betrieben, die BaseL beigetreten sind, gehören mittlerweile 52 Unternehmer zum Verein. Vom Krankenhaus bis hin zu Firmen, die Nussknacker produzieren, sind die unterschiedlichsten Unternehmen vertreten und erarbeiten gemeinsam mit Schülern, Eltern und anderen Unternehmen eine Win-Win-Situation für die ganze Region.

(StadtSpiegel, 15. Mai 2017)